Publikation

Das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (MELUND) in Schleswig Holstein hat uns  mit der Durchführung einer Fallstudie beauftragt, deren Thema die Möglichkeiten zur Abfallvermeidung von Verpackungen und Lebensmitteln im Einzelhandel sind.

Wir freuen uns Euch mitteilen zu können, dass die Studie jetzt auf der Webseite des MELUND zum Download zur Verfügung steht.

Nach der Vorstellung des Konzepts Unverpackt wird zunächst der gesetzliche Rahmen für den einwegverpackungsfreien Einkauf erläutert. Daraufhin wird beschrieben, welche Produkte bei Unverpackt verkauft und nach welchen Kriterien sie ausgewählt werden. Anschließend liegt der Fokus auf den jeweils vermiedenen Abfallmengen von Verpackungen und Lebensmitteln. Schlussendlich werden die Wirksamkeit, die Möglichkeiten der Übertragung, die Hemmnisse und die Weiterentwicklungschancen des Konzepts diskutiert.

Darüber hinaus wirft die Studie einen Blick auf gesellschaftliche Veränderungen in Bezug auf Müllproblematiken und Konsumverhalten im Allgemeinen.

5 Jahre Unverpackt!

5 Jahre Unverpackt in Kiel – eine Retrospektive

Zum Jubiläum des ersten deutschen Ladens, der ohne Einweg­verpackungen auskommt, werfen wir heute einen Blick zurück sowie nach vorn - begeben wir uns auf eine kleine Reise durch die Zeit!

Die Entstehung der Idee

Am Anfang ist da zunächst einmal Müll – sehr viel Müll. Nach jedem Einkauf für ihre fünfköpfige Familie ärgert sich Marie Delaperrière über die Unmengen an Verpackungsmüll, die ein gewöhnlicher Einkauf mit sich bringt. Wie könnte dieser vermieden werden? Die ausschlaggebende Inspiration findet sie 2012 in einem Zeitungsartikel, in dem von Béa Johnson berichtet wird, die ihren Alltag in den USA möglichst müllfrei bestreitet. Mit Dosen, Gläsern und Stofftaschen ausgestattet, kauft diese nur da ein, wo sie Lebensmittel und Haushaltsartikel direkt aus Großpackungen in ihre eigenen Gefäße umfüllen kann. In verschiedenen Läden in Frankreich, Großbritannien und den USA kann man einen Teil seines Einkaufs also schon unverpackt bewältigen.

Damit dies auch in Kiel möglich wird, beschließt Marie ihren eigenen Laden ohne Einwegverpackungen zu gründen. Ihr Konzept ist zu diesem Zeitpunkt eine Neuheit in Deutschland. Aufgrund der Hygiene­richtlinien müssen zahlreiche Details mit den Behörden geklärt werden. Eine geeignete Immobilie muss gefunden werden, denn es müssen nicht nur die Räumlichkeiten geeignet sein, auch der Vermieter muss an den Erfolg des Konzepts glauben. Am 1. Februar 2014 eröffnet Marie ihren Laden unverpackt – lose, nachhaltig, gut, ganz in dem Bewusstsein, am Anfang eines großartigen Abenteuers zu stehen.

Der allererste Laden

Der erste Unverpackt-Laden Deutschlands ist ein bescheidenes Lokal. Auf einer Ladenfläche von 60 m² bietet Marie ihren Kunden in der Waitzstraße zunächst 250 Produkte an. Die Waage im Eingangs­bereich druckt für jeden darauf platzierten Behälter einen Sticker aus, der das Leergewicht des Behälters notiert. Einige Kunden fragen sich, ob sie wohl bei jedem Einkauf neue Sticker drucken müssen, bis sie begreifen, dass das jeweilige Gewicht immer gleichbleibt und der Laden in die Ehrlichkeit seiner Kunden vertraut. Schon bald folgen die ersten Medienberichte. Neben lokalen Zeitungen schafft es unverpackt unter anderem in den Spiegel Online, die National Geographic und sogar zu einem Fernsehauftritt bei Stern TV.

Neben der Möglichkeit, Verpackungsmüll einzusparen, ist auch das Ambiente des Ladens ein Grund vieler Kunden, bei unverpackt einzukaufen. Sie fühlen sich an die früheren Tante-Emma-Läden erinnert oder vergleichen den Einkauf mit dem Weg zum Milchbauern, wo die Milch in die eigene Milchkanne abgefüllt wurde. Wie in einem Kaufmannsladen für Erwachsene bereichert unverpackt den täglichen Einkauf. Das Abfüllen der Waren von den Spendern oder das langsame Tropfen der Öle in die mitgebrachten Flaschen bereitet sowohl Kindern als auch Erwachsenen Freude. Doch es bleibt die Frage ob sich unverpackt auch im Laufe der Jahre halten werden kann?

 Der erste Umzug, unsere MitarbeiterInnen und Workshops

Nach einem Jahr in der Waitzstraße zieht unverpackt im Winter 2015 in den Kronshagener Weg. Die Ladenfläche des ersten Ladens erweist sich zuvor als zu klein, um den Laden auf Dauer betreiben und gestalten zu können. Viele Kunden freuen sich über die Nähe zum Wochenmarkt und verbinden die beiden Einkäufe. Das Team wächst von einer kleinen Zahl zu immer mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter heran, für die unverpackt mehr ist als ein Minijob. Sie stecken Herzblut in das Projekt und zeigen vollstes Engagement für das gemeinsame Abenteuer.

Teamausflug beim Hof Berg

Im Laufe der Zeit erweitert sich das Sortiment beständig. So wird zum Beispiel der Himbeeressig als eines vieler ungewöhnlichen Produkte entdeckt. Der Laden wird von mehr und mehr (Stamm-)Kunden besucht, die auch immer kleinere Mengen zu kaufen bereit sind. Da kommt etwa die Erinnerung an einen Kunden auf, der täglich zwei Eier kaufte. Oder die Kundin, die für ein neues Kuchenrezept nur einen Löffel Backpulver brauchte und genau diese Menge bei unverpackt kaufen konnte!

Aufgrund der steigenden Nachfrage geben Marie und ihr Ehemann Marc ab März 2015 Beratungs- und Seminarangebote für zukünftige Gründerinnen und Gründer von Unverpackt-Läden. Diese wurden seitdem von ca. 250 Personen besucht, welche einen großen Anteil der über 100 Unverpackt-Ladenbetreiber im deutschsprachigen Raum ausmachen.

Anerkennungen und der letzte (?) Umzug

ZEIT-WISSEN-Preis: Mut zur Nachhaltigkeit 2018 Preisverleihung

Unverpackt wird immer bekannter. Bestätigt wird der Erfolg mitunter durch verschiedene Preisverleihungen, so erhielt der Laden in 2016 etwa den Next Economy Award in der Kategorie Social Entrepreneur. Im selben Jahr wurde der Laden mit dem ersten Umweltpreis der Stadt Kiel geehrt. In 2018 schließlich wurde Marie Delaperrière für unverpackt zum Preisträger des ZEIT WISSEN-Preises Mut zur Nachhaltigkeit.  Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist es klar, unverpackt hat Potential!

Im Oktober 2017 zieht unverpackt schließlich zum zweiten Mal um, dieses Mal über die Kreuzung hinweg in die Adelheidstraße. Das neue Lokal bietet bessere Gestaltungsmöglichkeiten und erhöht die Qualität der Räumlichkeiten. Hier bietet unverpackt über 800 Produkte an, darunter viele aus dem Kosmetikbereich sowie Zubehör für den müllfreien Alltag. Der Laden ist mittlerweile so gut besucht, dass eine zweite Kasse unverzichtbar geworden ist. Eine geräumige Sitzecke lädt zum Verweilen und Genießen ein, denn Unverpackt bietet auch Kalt- und Heißgetränken, kleine Speisen und Naschereien an.

Wo steht unverpackt heute? 

Quelle: kn-online.de

Mittlerweile ist Unverpackt ein feststehender Begriff geworden. War das Konzept zu Beginn fast undenkbar, können wir es heute auf immer mehr Konsumbereiche erweitern. An dieser Stelle liegt es uns am Herzen zu verdeutlichen, für welche Philosophie wir einstehen und was wir uns von der Zukunft wünschen!

Unsere zwei Hauptziele sind es, Einwegverpackungen und Lebensmittelabfälle zu vermeiden. Dabei kommen uns immer wieder neue Ideen und Erfindungen in den Sinn, um unnötige Verpackungen zu vermeiden. Manchmal kommen hier auch Vorschläge von den Lieferanten selbst, was uns total freut! Darüber hinaus ist es vor allem der bed

arfsgerechte Einkauf, durch den im Zuhause unserer Kunden weniger Lebensmittelabfälle anfallen. Im Laden achten wir darauf, Lebensmittel, die sich dem MHD nähern, vergünstigt zu verkaufen, zu verbrauchen oder zu spenden und so vor dem Abfall zu retten.

Unverpackt soll ein Ort sein, an dem unser alltäglicher Konsum kritisch hinterfragt wird. Unsere Vision ist es, ein Umdenken anzustoßen, sodass es zur Selbstverständlichkeit wird, verpackungsfrei und umweltbewusst einzukaufen. In unserem Sortiment findet sich darum vorwiegend regionale, saisonale und biologische Produkte. Als lokal verwurzelter Einzelhandel möchten wir die Menschen einladen, sich miteinander auszutauschen, Ideen zu spinnen und Veranstaltungen zu organisieren.

Rund um den Laden hat sich bereits ein unverpackt-Freundeskreis gebildet, durch den später der Verein Zero Waste Kiel e.V. gegründet wurde. Hier, wie bei allen unserer Vorhaben, steht die Botschaft im Vordergrund, dass ein müllfreies Leben überall möglich ist und großen Spaß macht! Neben dem regelmäßigen Stammtisch, Müllsammelaktionen und müllfreien Grillabenden in den lauen Kieler Sommernächten, setzen wir uns durch Zero Waste Kiel e.V. dafür ein, Kieler und Kielerinnen über die Vorzüge der Müllvermeidung aufzuklären und unsere Stadt in eine müllfreie Zukunft zu bringen. Der erste große Schritt ist der offizielle Beschluss der Stadt Kiel, zur Zero Waste City zu werden!

Danke

Danke!

Unverpackt hat es weit über die Grenzen Kiels hinausgeschafft. Unser Laden hat in den vergangenen fünf Jahren seinen Teil dazu beigetragen, dass die Bewegung dort steht, wo wir sie heute sehen. Trotzdem ist und bleibt der Laden in Kiel das Herzstück unseres Erfolges.

An dieser Stelle möchten wir denjenigen einen riesigen Dank aussprechen, die von Anfang an an den Erfolg des Konzepts geglaubt haben, uns ihr Vertrauen schenkten und uns unterstützten. Nur dank der fortlaufenden Unterstützung unserer Geschäftspartner und Kunden während der letzten fünf Jahre war es uns möglich, diese Geschichte zu schreiben. Dafür möchten wir uns heute von Herzen bei euch bedanken! Danke, dass ihr Teil einer besseren Zukunft seid!

Wir sagen es gerne wieder: unverpackt ist ein Abenteuer und gleichzeitiger Beweis für die Machbarkeit einer müllfreien Welt. Die heutige Ausstrahlung des Ladens, das Gefühl an der Verbreitung der Zero Waste Ideale mitgewirkt zu haben, all das macht Marie glücklich. Auf die Frage, ob sie dieses Abenteuer erneut bestreiten würde, lautet die deutliche Antwort „Ja klar!“. Was sie in den letzten Jahren gelernt hat: „Aus kleinen Samen werden Bäume, und aus Bäumen werden Wälder!“

Text: Lena Braun

Aurubis Sonderpreis des ZEIT WISSEN-Preis Mut zur Nachhaltigkeit

Mit großer Freude dürfen wir mitteilen, dass unverpackt den Aurubis Sonderpreis des ZEIT WISSEN-Preis Mut zur Nachhaltigkeit erhalten hat! Besonders zu einer Zeit, da das Konzept allgemein an Bekanntheit gewinnt, ist diese Wertschätzung äußerst wertvoll.

Der Preis ist eine wunderbare Anerkennung für die Arbeit, die vor allem Marie Delaperrière als Vorreiterin des unverpackten Einkaufes in Deutschland geleistet hat. So sehen wir ihn als Zeichen für die gesamte Bewegung, dass wir weiterhin unsere Energie für unverpackt und eine lebenswerte Zukunft einsetzen wollen. Wir danken ganz herzlich für die Auszeichnung.

Zu Besuch bei unverpackt Kiel

Artikel aus dem Blog "Entdeckungsreise" von Umtüten - mit freundlicher Genehmigung von Umtüten
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Unverpackt ist hier Programm
Unverpackt ist hier Programm

Im Moment ist Fastenzeit. Von Aschermittwoch bis Ostern fasten traditionell Menschen christlichen Glaubens, um sich an das Leiden und den Tod Jesu Christi zu erinnern und sich auf das Osterfest der Wiederauferstehung vorzubereiten.

Als Hersteller einer nachhaltigen Alternative zu Einwegtüten interessiert uns das natürlich! Wir haben deshalb mit Marie Delaperrière von Unverpackt in Kiel gesprochen. Sie hat 2014 den ersten Laden für Lebensmittel in Deutschland eröffnet, in dem man ohne Verpackung einkaufen kann - also anders gesagt: ohne Müll. Dazu bringen die Kunden ihre Behältnisse für Lebensmittel selber mit. Gläser, Flaschen, Tüten und Beutel werden leer gewogen, befüllt und der Inhalt nach Gewicht bezahlt. So wird nicht nur müllfreies, sondern auch grammgenaues Einkaufen ermöglicht. Das schont nebenbei den Geldbeutel und reduziert Verschwendung, weil nicht mehr gekauft werden muss als benötigt wird.

Wie unverpackt entstanden ist

Marie Delaperrière hat unverpackt Kiel 2014 gegründet
Marie Delaperrière hat unverpackt Kiel 2014 gegründet

Die Idee zu Unverpackt kam Marie durch Bea Johnson, als sie Ende 2012 einen Artikel der Amerikanerin las, in dem sie schrieb wie sie seit 3 Jahren mit ihrer Familie komplett müllfrei lebt. Da auch Marie mit ihrer 5-köpfigen Familie vor großen Verpackungsbergen nach dem Einkaufen stand, beeindruckte sie der Artikel sehr. „Wir haben damals 2 gelbe Säcke voll Plastikmüll in der Woche verbraucht“, erzählt mir Marie. „Man kauft einfach überhaupt nicht bewusst ein.“ Sie begann, ihren Konsum zu überdenken, zu reflektieren und zu überlegen, was man unverpackt kaufen könnte oder einfach anders und ökologisch verpackt. Für sie persönlich hat sich diese Überlegung ausgezahlt. „Heute verbrauchen wir nur noch einen 10l Beutel im Monat.“

 

Sich mit dem Thema Müll auseinanderzusetzen, sei auch ein spielerischer Prozess, erklärt sie weiter. „Die Suche nach einer Alternative zur bestehenden Verpackung fordert auch Kreativität. Man lebt ja nur bewusster, wenn man sich mit dem Thema auseinandersetzt und fängt auch an, Dinge mehr selber zu machen. Pizza zum Beispiel. Klar kann ich den Teig und die Soße fertig verpackt kaufen, aber ich kann auch alles selber machen und die Zutaten ohne Einwegverpackung kaufen.“ Wichtig sei vor allem, das Problem der Verpackung zu reflektieren.

 

Der Zero Waste Lebensstil ist eine Vision, die impliziert so müllfrei wie möglich zu leben und jeder Schritt in diese Richtung zählt. Es ist keine Umstellung, die über Nacht passiert, sondern ein Prozess. „Es gab schon Leute im Laden, die auf einmal mit vielen Behältnissen kamen, um die Verpackung sofort zu verbannen. Durch die radikale Umstellung waren sie jedoch überfordert. “ Es sei wie bei einer Diät, erklärt sie mir. Wer da von jetzt auf gleich auf alles verzichtet halte 3 Tage durch. Der vierte Tag sei dann schlecht und schon schmeiße man hin. „Man darf dabei nicht drastisch werden. Gewohnheiten umzustellen braucht einfach Zeit!“ Die großen Gewinner seien dabei die Leute, die stückweise Verpackung reduzieren und immer weiter probieren. „Diese Leute kommen wieder“, sagt Marie.

Fastenzeit ist Reflektionszeit

Stoffbeutel sind super für grobe Trockenware wie Reis oder Kartoffeln
Stoffbeutel sind super für grobe Trockenware wie Reis oder Kartoffeln

Aber wie sieht es nun aus mit dem #plastikfasten? Bringt das überhaupt was will ich wissen? Marie ist da skeptisch. „Ich finde die Fastenzeit sehr instrumentalisiert“, sagt sie. Das entscheidende an der Fastenzeit sei die Reflektion seiner selbst, meint sie. Reflektion kann aber in ganz viele Richtungen gehen und müsse nicht unbedingt Verzicht sein. Im Stille gebe ich ihr Recht. Für viele Menschen in meinem persönlichen Umfeld ist Fasten einfach ein Innehalten, ein sich zurückziehen und sich selbst auch reflektieren. „Verzicht kann zwar das Ziel der Reflektion sein aber was macht man dann das restliche Jahr über?“, fragt Marie. Für mich klingt das wie ein Jojo-Effekt und ich muss an den Diät-Vergleich von grade eben denken. Aber klar: wer 40 Tage lang von jetzt auf gleich Plastik aus seinem Leben verbannt, wird vielleicht schneller rückfällig als jemand, der sich stückweise rantastet.

 

„Wichtig ist, zu entscheiden, wie man fasten will“, sagt Marie. „Will man die Zeit zum Testen nutzen? Will man offen probieren wie man selbst ohne Plastik zurechtkommt oder zittert man die ganze Zeit völlig angespannt, weil man den Verzicht unbedingt durchhalten will? Das Prinzip, einfach mal zu testen, ist gut, aber nicht an die Fastenzeit gebunden. Das kann man immer und jederzeit machen.“ Positiv an der Fastenzeit könne aber der Gruppen-Effekt sein, räumt sie ein. Zu wissen, dass man nicht alleine ist, sondern sich als Teil einer Gruppe fühlt, motiviert sicher den einen oder anderen mehr, denke ich mir.

 

Spürbar mehr Kundschaft hat sie während der Fastenzeit aber nicht, sagt Marie mir. „Die Kundschaft ist generell völlig divers“, sagt sie. „Wir haben Stammkunden, die von Anfang an zu uns kommen, aber es kommen auch immer neue Leute rein, um unverpackt zu testen oder weil sie einfach neugierig sind. Das ist ganz bunt gemischt.“ Sie habe auch nie einen Laden für eine bestimmte Gruppe aufmachen wollen, sagt sie. Vom Kind bis zum*r Senior*in sei jedes Alter dabei und Studierende kämen genauso wie Berufstätige. Es sei ihr wichtig gewesen, ein Angebot für alle zu schaffen, sagt Marie.

Unverpackt ist nicht teuer

Haarseifen ersetzen flüssiges Schampoo - ohne Plastikverpackung
Haarseifen ersetzen flüssiges Schampoo - ohne Plastikverpackung

Ein Laden für alle setzt natürlich ein erschwingliches Preisniveau voraus. „Ware bei uns ist nicht teurer als qualitativ vergleichbare Ware in anderen Geschäften“, meint Marie. Das Feedback käme auch von ihren Kunden. Unverpackt wird beim Einkauf oft fest eingeplant. „Oft kommen die Leute erst zu uns, gehen dann zum Wochenmarkt und kaufen nur noch im normalen Supermarkt ein, was sie noch nicht bekommen haben.“ Das Vorurteil, dass unverpackt teurer sei, interessiert sie nicht. Man könne ja nur vergleichen was vergleichbar sei. Bei Ware in Discountern, die sehr billig angeboten wird, müsse man sich einfach fragen, zu welchen Bedingungen sie hergestellt werden. „Wie sollen da zum Beispiel faire Löhne gezahlt werden?“, fragt Marie mich. „Zugang zu billigen Lebensmitteln führt einfach zu mangelnder Wertschätzung des Produktes. Einiges ist auch einfach von Natur aus teuer. Kaffee und Nüsse zum Beispiel. Klar ist das bei uns so teuer wie woanders in entsprechender Qualität auch.“ Wer also Ware in höherer Qualität sucht, wird bei unverpackt fündig ohne drauf zu zahlen! Für viele, die über unverpackt als dauerhafte Einkaufsmöglichkeit nachdenken, sicher eine wichtige Information.

Was ist Nachhaltigkeit?

Unverpackt bezeichnen viele Menschen in meiner Umgebung als „nachhaltig“. Aber was genau steckt eigentlich hinter diesem Begriff? „Nachhaltigkeit“ erklärt der Duden mit „längere Zeit anhaltende Wirkung“. Das klingt zwar toll, aber recht unkonkret. Ich frage Marie deshalb was Nachhaltigkeit für sie ist. „Nachhaltigkeit ist für mich wie ein großer Sack. Nachhaltig zu leben ist eine Einstellung, die an die zukünftige Generation denkt. Das ist kein einzeln individueller Gedanke, sondern unbegrenzt.“

In diese Einstellung zähle die Frage wie man konsumiert und was für Konsequenzen sich daraus ergeben. „Nachhaltig lebt man wenn man durch sein Verhalten die Umwelt schont und etwas Gutes für die nächste Generation hinterlässt. Wer zum Beispiel sagt er kauft nur Äpfel aus der Region, aber gleichzeitig zweimal im Jahr in den Urlaub fliegt, lebt nicht nachhaltig!“

Nachhaltigkeit ist für Marie also nichts einzelnes, sondern die Summe aus vielen verschiedenen Faktoren. Ich persönlich glaube, dass viele Menschen darüber gar nicht recht nachdenken, zumal die Bezeichnung „nachhaltig“ mittlerweile ständig zu Marketingzwecken verwendet wird. Außerdem gut zu wissen: der Begriff ist nicht geschützt! „Nachhaltig“ ist kein offizielles Siegel wie zum Beispiel „Bio“. Es lohnt sich also, zweimal hinzuschauen und sich selbst zu überlegen, was „Nachhaltigkeit“ für einen selbst bedeutet.

Tipps und Einwegsünden

Ich frage Marie nach ihrem persönlichen Tipp zur Einweg-Vermeidung. Die Antwort ist schnell gegeben: „Nimm einen festen Einkaufsbeutel mit“, sagt sie. „Immer! Es gibt keine Entschuldigung, den zu vergessen. Mach ihn an deinen Schlüssel oder leg ihn neben dein Handy, dann vergisst du ihn nicht“, sagt Marie. „Wenn wir unser Handy vergessen oder den Schlüssel fühlen wir uns nicht gut. Wenn du dasselbe Gefühl hast wenn du deinen Beutel vergisst, ist das Ziel erreicht.“ Das klingt sinnvoll. Ich selber habe schon jetzt immer einen Beutel dabei, aber wenn man damit erst anfängt, ist der Tipp sehr nützlich!

Der fertige Einkauf komplett in Mehrweg
Der fertige Einkauf komplett in Mehrweg

Eines interessiert mich ganz besonders: Ich frage Marie nach ihrer größten Einwegsünde. Verwendet jemand, der ein Minimum an Einweg nicht nur privat, sondern auch beruflich vertritt, überhaupt Einwegartikel? „Ich glaube das sind meine Nylons“, sagt Marie mir. „Per Definition sind sie Einwegartikel, aber ich benutze sie solange bis es nicht mehr geht. Wenn ein Loch drin ist und das Kleid darüber liegt, stört mich das nicht.“ Eigentlich total ironisch, waren Nylons ja mal ein echtes Mehrwegprodukt. Man (oder frau) brachte sie früher sogar noch zum Maschen aufziehen, wenn sich doch mal eine Laufmasche eingeschlichen hatte. Aber heutzutage sind Nylons ein Paradebespiel unserer Konsumgesellschaft: Was sich reparieren lässt, wird nicht mehr angeboten, weil neu verkaufen profitabler ist. In Sachen Abfallbilanz ein echter Rückschritt!

 

Unser Gespräch neigt sich dem Ende zu. Meine letzte Frage an Marie lautet: Was bleibt? Färbt ihre Einstellung zur Verpackungsfreiheit auf andere ab? „Ich hab sicher als Exot angefangen, aber ich behaupte nicht von mir, andere Menschen in meinem Umfeld zu unverpackt gebracht zu haben. Sicher übernehmen Leute das, aber ich bin nicht immer der Anstoß. Es beschäftigen sich viele Leute damit, das kommt also nicht nur von mir.“Ich lerne aus dem Gespräch vor allem eines: unverpackt leben ist nichts Absolutes! Jeder muss nach wie vor selber seine Balance für Verpackungsfreiheit finden. Wenn man nicht zu 100% verpackungsfrei lebt, ist man nicht gleich ein schlechter Mensch! Maries unverpackt ist für mich eine tolle neue Möglichkeit, den eigenen Konsum zu überdenken und bietet gleichzeitig eine Alternative zum Verpackungswahnsinn unserer Gesellschaft - ein weiterer Schritt Richtung Nachhaltigkeit inklusive.

 

Ein Artikel von Franziska Rahlf.

© Alle Fotos von umtüten. Alle Rechte vorbehalten.

2018 – Wir fühlen uns sehr geehrt!

Wir fühlen uns sehr geehrt, für den ZEIT WISSEN-Preis – Mut zur Nachhaltigkeit nominiert zu sein. Marie und unverpackt sind dabei in der Kategorie “Handeln” als mögliche Preisträger auf der Verleihung im Frühjahr vertreten.

Wir sind begeistert zu sehen, dass Maries Idee und ihr Ladenkonzept einen solchen Zuspruch erhalten! Wir hoffen, dass dies ein weiterer Schritt ist, eine Änderung im Konsumverhalten unserer Gesellschaft anzustoßen.

Danke an alle, die uns unterstützen!
Weitere Informationen zu dem Preis findet ihr hier.

3 Jahre Unverpackt

Am Samstag, den 04. Februar haben wir unser 3-jähriges Jubiläum gefeiert. Zuerst im Laden mit Spiel, Spaß und Videos, und abends ging es weiter in der Thinkfarm der Alten MU. Dort versorge uns die Röstprinzessin mit leckeren Burgern und einer leckeren Suppe, während wir gemeinsam den Film „Weggeworfen – Trashed‟ sahen. Zum krönenden Abschluss fand die Geburtstagssause zu dicken Beats von Greengo und Florestan! tanzbeinschwingend statt. Vielen Dank an alle die bei den Vorbereitungen mitgewirkt haben und an alle die uns besucht haben. Bis zum nächsten Jahr!

 

Next Economy Award 2016: unverpackt ist nominiert!

2016 vergibt die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, dem Rat für Nachhaltige Entwicklung und dem DIHK zum zweiten Mal den Next Economy Award.

Der NEA ist die nationale Spitzenauszeichnung für Startups, die auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit setzen.

Der NEA will „grünen Gründern“ und Sozialunternehmern Rückenwind verschaffen und Startups fördern, die den Wandel zur „nächsten“, nachhaltigeren Wirtschaft mitgestalten wollen.

Begründung der Jury zur Nominierung.

Weitere Information zum Award.

Béa Johnson zu Besuch in Kiel

Der jährliche Müll der Johnsons!

Der 19. November stand ganz im Zeichen von Zero Waste. Béa Johnson – weltweite Pionierin der Müllvermeidung – besuchte uns im Rahmen ihrer Reise durch Europa, auf der sie von ihrem Leben ohne Abfall in den USA erzählt. Nach dem Besuch einer Schule und der Signierstunde im Laden gab es abends einen Vortrag im Audimax der CAU Kiel. Ihr Vortrag in Kiel war der einzige in Deutschland und zog ein großes Publikum auch aus weiten Teilen Deutschlands an – der Hörsaal des Audimax war mit mehr als 250 Zuschauern gut gefüllt! Durch Béas entspannte Art und die lebendigen Erzählungen aus ihrem Alltag, der nicht mehr von Zeug, sondern vom Erleben bestimmt ist, war das Interesse der Zuhörenden geweckt.

Béa Johnson und ihre Familie haben sich dem Zero Waste Lebensstil verschrieben: Seither produzieren sie gerade mal einen Liter Müll pro Jahr und erzielen ganz nebenbei finanzielle Einsparungen von bis zu 40%.

In ihrem Buch „Glücklich Leben ohne Müll – Reduziere deinen Müll und vereinfache dein Leben“ sowie auf ihrem Blog Zero Waste Home zeigt Bea wie es geht. Die fünf „R“ (Refuse, Reduce, Reuse, Recycle und Rot) bilden die Grundlage ihrer umfangreichen Hilfesstellung, bei der es allerdings nicht nur um die Reduzierung oder Vermeidung von Müll geht, sondern vielmehr auch darum, gesamtgesellschaftliche Wege zu einem ganzheitlicheren, sparsameren und gesünderen Leben und Miteinander zu finden. Als Preisträgerin des „Green Awards“ 2011 (USA) ist sie zur Botschafterin der Zero Waste Bewegung geworden.

Weitere Eindrücke findet ihr im Blog des Zero Waste Vereins Kiel:
Bea Johnson in Kiel – Inspiration in Sachen Zero Waste Lifestyle

Wir ziehen um!

Bald ist es soweit! Ab dem 2. Februar findet ihr uns an unserem neuen Standort im Kronshagener Weg 10, direkt am Exerzierplatz. Zur Feier der Neueröffnung und unseres 1-jährigem Jubiläum wird der neue Laden an diesem Tag von 14 bis 20 Uhr geöffnet sein.

Beachtet bitte auch folgende Sonderzeiten und unsere Sonder-Rabatt-Aktion!
Am 29.1. ist Umzugsaktion! Ihr erhaltet 10% Rabatt auf das gesamte Sortiment!
Am 30.1. und 31.1. bleibt unser Geschäft aufgrund der Umzugsarbeiten geschlossen.

Wir freuen uns darauf, euch bald in aller Frische in unserem neuen Lokal zu sehen!

Der globale Hyperraum

An dieser Stelle möchten wir euch auf ein Theaterstück hinweisen, an welchem wir mitgewirkt haben.
Der globale Hyperraum unter der Leitung von Iyabo Kaczmarek und Alexandra Faruga bezeichnet sich als Wissenstheaterstück, welches den Zuschauer anleitet sich mit den Herausforderungen der Globalisierung auseinanderzusetzen und ihm anhand von Beispielen die Möglichkeiten einer besseren Zukunft aufzeigt. Teil des Theaterstückes ist die Inszenierung eines Interviews mit Marie über Verpackungsvermeidung und Müll.
Die Vorführungen laufen von Mitte September bis Mitte Oktober im Freien Theater Hannover.

 

Der globale Hyperraum
Ein Wissenstheaterstück – Vom Sein und Haben

“Der Ruf nach immer mehr Wachstum schallt aus allen Kanälen. Doch wie bringt man die Konsumenten dazu von Jahr zu Jahr immer mehr zu kaufen? Wozu soll das gut sein? Und wer zahlt dafür? Rund um das Thema Wachstum untersuchen wir Strategien zur Konsumsteigerung, gehen internationalen Verflechtungen auf den Grund, analysieren unser Kaufverhalten und lassen uns von Menschen inspirieren, die querdenken und die Welt ein wenig besser machen.
Ein Team, bestehend aus Visual Art Künstler, Motion Graphic Designer, Filmern, Tänzern, Schauspielern, Musikern und Non-Profit-Organisation haben sich zusammengeschlossen und gemeinsam eine multimediales Wissens-theaterstück entwickelt.
„Der globale Hyperraum“ möchte informieren, zum Nachdenken anregen, zum Umdenken motivieren und unterhalten!”

Quelle: Freies Theater Hannover

Wir eröffnen!

Am 01. Februar 2014 ist es endlich soweit: unverpackt öffnet seine Türen und ermöglicht zum ersten Mal in Deutschland einen verpackungsfreien Einkauf! Wir sind gespannt auf die Resonanz und freuen uns darauf, euch in der Holtenauerstraße begrüßen zu dürfen.

Sonderpreis beim GründerCup KielRegion 2013

Bereits vor der Eröffnung unseres Ladens dürfen wir einen ersten Erfolg verbuchen. Marie hat den Sonderpreis des GründerCup erhalten, welcher an vielversprechende Gründungsideen in der Region Kiel vergeben wird. Das Vertrauen der Jury in den Erfolg unseres Konzeptes ist groß und lässt uns mit Zuversicht auf die kommenden Jahre blicken!

Hier seht ihr die Begründung der Jury zur Vergabe des Sonderpreises an unverpackt:

“Unverpackt: Verpackungsfreier Einkauf von Lebensmitteln zeichnet sich dadurch aus, dass biologische, lokale, saisonale und vor allem verpackungsfreie Produkte verkauft werden. Mit ihrem Vorhaben besetzt Frau Delaperrière im Einzelhandel eine Nische, die vielfältige Erfolgschancen verspricht. Die Gründerin identifiziert sich voll und ganz mit ihrem Vorhaben und steckt viel Leidenschaft und Engagement in ihre Idee. Sie greift die wachsenden Trends zur Müllreduzierung und qualitativ hochwertiger Ware auf. Besonders hervorzuheben ist, dass die Gründerin den idealen Standort für das Vorhaben bereits gefunden hat. Die Jury ist überzeugt, dass dieses Geschäft nachhaltig zur Bereicherung des Einkaufsstandortes in der Kiel Region beitragen wird.”

Quelle: GründerCup KielRegion

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